
Bereits seit mehreren Jahren hält sich der Retro-Trend beständig in den verschiedensten Lebensbereichen. Man feiert ausgelassen auf 70er, 80er und 90er Parties; der 80er Jahre Film „Dirty Dancing“ hatte kürzlich als Musical in Berlin Premiere; und im Fernsehen wird man in Shows auf mehreren Kanälen durch die Musik und die Mode vergangener Dekaden geführt.
Natürlich macht diese Welle auch vor den Kleiderschränken nicht Halt: Shirts mit den unterschiedlichsten, kreativen Retro-Prints füllen die Geschäfte und Online-Shops. Was als Undergound-Trend in den Berliner Szenevierteln und -kneipen begann, ist nun überall und jederzeit anzutreffen und zum Mainstream geworden. Das Angebot ist breit gefächert.
Manche Motive sind an alte Seemanns-Tätowierungen aus den 20er Jahren angelehnt, die Rosen, Flammen oder Totenschädel darstellen. Andere zeigen Horrorfilmplakate aus den 70ern und werden genauso getragen wie die Abbildungen von Idolen aus Musik und Filmen der 80er. Auch alte Fernsehserien wie Dallas, Denver Clan oder Night Rider erleben als T-Shirt-Aufdruck ihr großes Comeback.
Neben diesen fast schon „klassisch“ gewordenen Retro Shirts sind auch Sporttrikots beinahe jeder Sportart und jedes Vereins in der modern-altmodischen Retro-Optik zu bekommen. Eine völlig andere Art der Retro-Mode kam in den letzten Jahren mit der „Ostalgie“-Welle auf: Plötzlich wurden T-Shirts mit Hammer und Sichel oder FDJ- Schriftzügen getragen und lösten einen regelrechten Boom in ganz Deutschland aus. Eine weitere Spielart dieser Mode sind Prints deutscher Marken. Aufmachung und Schriftzug vom Brause- über den Waschmittel- bis hin zum Zwiebackhersteller erinnern Träger und Gegenüber an die eigene Schulzeit oder das Lieblingseis aus Kindertagen.
Was fasziniert nun aber so am Vergangenen? Mit dem menschlichen Hang zur Verklärung blicken wir in die vergangenen Zeiten unserer Kindheit und Jugend. Genau so wie man immer erst erkennt, was man hatte, wenn man es verliert, erscheint die vorhergehende Zeit schillernder und schöner als die gemeine Gegenwart. So sind die Retro Shirts ebenso wie die zugehörigen Shows und Parties für jeden ein kleines bisschen Nostalgie. Wen wundert es da noch, dass sich diese Mode schon längst aus den kleinen Designer- und Second Hand-Läden in den Berliner Bezirken Prenzlauer Berg und Friedrichshain über die ganze Nation verbreitet hat?
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